Dienstag, 25. März 2014

Wo kommen eigentlich Trends her?

 
Ich stehe in der Klamottenabteilung und schiebe ein paar Kleiderbügel mit T-Shirts hin und her. Hübsche Teilchen sind dabei, ich hab Lust, was Frisches für den Frühling zu ergattern. Ein paar Meter weiter steht eine Dame, sie ist vielleicht Mitte 40 und sie dreht sich vor dem Spiegel hin und her, sie beäugt sich ziemlich kritisch. Neben ihr tippelt eine kompetent aussehende Fachverkäuferin auf und ab und sie sagt das trägt man jetzt so. Und die Dame zupft an dem mintfarbenen Oberteil, zieht den Stoff an der Taille mit spitzen Fingern auseinander, versucht, die Bluse in die Länge zu ziehen, über die Hüfte, aber es kann nicht funktionieren. Und sie sagt, naja, ich weiß nicht. Aber wenn man das jetzt so trägt. Und die Verkäuferin sagt, ja, das ist jetzt Trend im Frühjahr
Zwei Minuten später kauft die Dame das mintfarbene Bonbonteil, das ihren Teint unglaublich fahl macht und sie hat bestimmt seit 5 Minuten nicht einmal gelächelt. Sie blättert 40€ auf den Kassentisch. Und ich verlasse das Kaufhaus, sehe, dass der Pelzladen an der Ecke dicht gemacht hat und denke den ganzen restlichen Tag darüber nach, woher Trends eigentlich kommen.
Ich hab so ein Bild im Kopf, ein Bild von Trends, von dem ich selber weiß, dass es in höchstem Maße albern ist: Es gibt da eine große Maschine, schwer und massiv aus silberfarbenem Metall. In der Maschine brodelt es, es rattert und zischt. Die Maschine generiert den neusten Trend. Alle paar Monate oder sogar Wochen spuckt sie einen aus. Den Frühjahrstrend. Den Farbentrend. Den Schuhtrend und auch den Tapetentrend. Oben auf der Maschine öffnet sich dann eine große Klappe und der Trend springt raus: In Form einer großen, kunterbunten Kugel, die dann losrollt. Sie rollt durch die Straßen und auf einmal laufen alle Menschen dieser Kugel nach, sobald sie den Trend entdeckt haben. Sie laufen dem Trend hinterher.
Das ist natürlich Quatsch, das weiß ich selbst.

Der Duden sagt mir, dass Synonyme für „Trend“ zum Beispiel Bewegung, Entwicklung, Richtung sind. Oder Strömung, Welle.
Es gibt Designer, große, namenhafte Kreative, die Einfluss auf Trends haben und diese Trends mitgestalten. Modeschöpfer kreieren zum Beispiel Klamotten für den Laufsteg. Vielleicht benutzen sie dafür sogar die Farbpalette, die ein riesiges Farbkommunikations-Unternehmen erstellt hat. Und die Klamotten werden dann wieder angepasst, verändert für Otto Normalbürger und einer orientiert sich am anderen. Man trägt das jetzt so. So entstehen Wellen. Es gibt Trendforscher, die voraussagen, was in 40 Jahren trendy sein wird, nicht nur in der Mode, sondern in allen Lebensbereich. Und meistens haben sie damit recht. Woher sie das wissen? Weil Trends von der Gesellschaft abhängen, von dir und von mir, weil wir uns in unserem ganzen Lebensgefühl verändern. 
Wenn ich mich zum Beispiel an meine Schulzeit zurückerinnere, vor ca. 10 Jahren, da war es absolut uncool, irgendwas Selbstgemachtes zu haben. Da war es uncool, sich zum Beispiel selbst Nieten auf die Jeans zu kleben – nein, das musste schon so gekauft sein - oder sich Loopschals zu nähen, tss, wie ööko! Heute ist das anders. Das ist zum Beispiel ein Trend. Der Trend zum Selbstgemachten. 
Aber woran liegt das und wie sollten Forscher das schon vor Jahren geahnt haben? Menschen streben nach Veränderung, nach Verbesserung und Weiterentwicklung. Und vielleicht, weil wir zum Beispiel durch die Medien und andere Faktoren mitbekommen, dass die Müllberge immer größer werden und weil wir merken, dass Dinge immer schneller kaputt gehen. Wir sehen Bilder von eingestürzten Textilfabriken in Bangladesch und fragen uns auf einmal, wo unsere Klamotten herkommen. In bestimmten Zeitabständen werden für bestimmte Dinge sensibilisiert. Dann kommt eine Welle ins Rollen. Ein neuer Trend. Und wir spüren frischen Wind, wir spüren Veränderung und springen auf den rollenden Zug auf. Wir folgen den Trends, weil sie endlich Neues bringen, vielleicht Besseres.

Wahrscheinlich hat die Dame deshalb auch das mintfarbene Shirt gekauft, das ihr so gar nicht steht. Weil wir Trends manchmal vielleicht auch ein bisschen blind folgen. Denn natürlich ist es auch schwer, sich nicht von jeder Welle mitreißen zu lassen.

Kommentare:

  1. Toller Post!
    Über Trends habe ich mir nie so richtig Gedanken gemacht. Wenn mir einer gefällt, mache ich mit, wenn nicht, dann eben nicht.

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  2. Das ist wirklich ganz toll geschrieben! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Sitz bei schönem Wetter im Kaffee und studiere die vorüber eilenden. Die meisten versuchen die Trends mitzumachen, den wenigsten steht es. Aber was am schlimmsten ist: Null Individualität! Sie sehen alle gleich aus! Für mich ist Mode nicht was Trend ist, sondern was einem gefällt und auch steht. Auch wenn ein Teil bei den Trendjägern seit drei Jahren out ist...
    Liebe Grüsse Sandra

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    1. Solche Menschen gibt es leider.
      An diesem Ort würde ich nicht so gerne im Café sitzen oder nicht nach den Leuten schauen.
      Beeindruckend guter Post...
      Liebe Grüße, Wieczora (◔‿◔)| My photoblog

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  3. Hallo Alessa,
    Ich lese so gern bei dir mit, da ich es mag wie du Gedanken zu "Papier" bringst und mich dabei zum Hinterfragen animierst. Das Thema Trend ist mir schon manchesmal durch den Kopf gegangen. Nachdem ich "Der Teufel trägt Prada" gesehen hatte, war mir einiges klarer. Ich gehe selten mit Trends mit so wie ein Lemming. Jedoch würde ich im Kleidungsbereich sehr gerne ein paar von mitmachen. Mein Lipödem schiebt da leider nen Riegel vor. Ich werde mir mal noch ein paar Gedanken zu deinem Impuls machen. Und wünsche Dir eine schöne Woche!

    Glg von Sissi

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  4. Schön geschrieben. So ist das halt mit den Trends. Ich mag auch kein gelb und habe mir dieses Jahr trotzdem einen hellgelben Schal gekauft. Er ist aber auch schön.
    LG Steffi

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  5. Es gibt ja auch Trends, die immer wieder kommen, z.B. mit Safari oder Marine macht man in keinem Sommer was verkehrt. Trends sind schön und gut aber man sollte in der Lage sein sie für sich zu nutzen oder ggfs. links liegen zu lassen. Ich z.B. kann (aus körperlichen Gründen wie Carolin Kebekus das so schön formuliert) keine Röhrenjeans tragen und habe echt Schwierigkeiten Hosen zu bekommen. Aber es ist die Mühe wert.
    LG
    Frigga

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  6. Hallo Alessa,
    toller Blogpost...tolle Gedanken!
    "ICH" bin voll uncool...denn "ICH" liebe Selbstgemachtes...! GRINS
    In Sachen Mode bin ich immer weit zurück.
    Tja, so ist das halt.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag + freue mich schon jetzt auf Deinen nächsten Postbeitrag.
    Gruß Britti

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  7. Ich glaube wenn man jung ist, folgt man den coolen Leuten in der Schule. Und je älter man wird, desto mehr entwickelt man seinen eigenen Stil und Look. MIr ist es meistens egal, was gerade "Trendfarbe" ist, denn ich ziehe das an, was mir gefällt

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  8. Du hast einen sehr schönen Schreibstil und dein Text hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Mir geht es eigentlich wie der großen Masse, ich folge ab und zu den "Trends". Auch wenn ich mich weigern will, bin ich manchmal einfach auch viel zu "schwach".

    Z.B. mochte ich früher kein Weinrot, doch kaum war es angesagt, habe ich einige Monate standgehalten, bin dann doch eingeknickt und habe jetzt etliches in der Farbe. Manchmal kommt man auch einfach nicht drumherum, weil es auf einmal in jedem Laden die selbe Farbe, das selbe Muster oder den selben Schnitt gibt. Aaaber ich versuche, mich nicht allzusehr von der aktuellen Mode beeinflussen zu lassen!

    Wünsch dir noch einen schönen Tag ♥

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  9. Schön geschrieben :)
    Besonders den Punkt, dass die Dame nicht mal mehr gelächelt hat, finde ich absolut bedenkenswert: Warum soll ich mich in etwas zwängen lassen, dass mir keine Freude bereitet, nur weil es "Trend" ist? [Und dafür auch noch 40€ hinblättern?]

    Ich finde es irgendwie lustig: Vor ein paar Jahren war unsere Stadt noch voll von "Emo-Kindern", jetzt sind alle "Hipster" und ich stehe da und fühle mich in meinen Klamotten alt... irgendwie finde ich, ist es auch viel extremer geworden: Auf der einen Seite sind da die, die den Trends folgen und dem Mode-Zirkus - auf der anderen Seite stehen die zwanghaft "Anderen", ob Öko, Selbstgehäkelt, absolut individuell, so sehr, dass es sich schon zwanghaft anfühl und schon wieder ein eigener Trend ist.

    Ich stehe in schwarz dazwischen und wenn mir was nicht gefällt, kaufe ich es einfach nicht - mehr Geld für Nagellack [auch schon wieder ein Trend! Ein Drama!]

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Ich freu mich auf deine Worte!

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